Schülerzeitung

Auf dem virtuellen "Beichtstuhl"

Der Beichtstuhl. Seit Jahrhunderten ein Symbol des kirchlichen Ablasses von sündigem Wissen, ein Ort der Befreiung und der Abgabe von Lastern zugleich.

In heutiger Zeit kennen die meisten den Beichtstuhl vermutlich nur noch von außen: oder von Instagram. Die Seite „deinbeichtstuhl“ gibt es mittlerweile in vielen Hundert Variationen: speziell für Verliebte, für bestimmte Berufsklassen, besondere Gruppen, größere Arbeitsplätze—und Schulen. Viele Beichtstuhl-Seiten beschäftigen sich nur mit den Schülern, dem Kollegium und dem Alltag an einer bestimmten Schule. Erstellt werden die Seiten meist von Schülern, die dann aus erster Hand die neuesten Geheimnisse ihrer Mitschüler erfahren, die ihnen ein Geständnis einreichen, welches dann in Form der „Beichte“ auf ihrer Seite gepostet wird.

So wie der Administrator vom „gam.beichtstuhl“, der nun seit fast drei Wochen auf Instagram online ist. Ich hatte die Chance, ein kurzes Interview mit dieser Person zu führen, die ich im Folgenden als „sie“ (von „die Person“) bezeichnen werde, da sie anonym bleiben will—verständlich, da ihr bereits zahlreiche Schüler Beichten gesendet haben, welche von fast einem Fünftel der Schüler des GaM regelmäßig gelesen werden.

Wie sie denn zu der Idee kam, so eine Seite zu starten, war meine erste Frage. „Ich habe viele Beichten-Seiten gesehen, und mich gefragt, warum es so eine nicht auch für das GaM gibt.“ Tatsächlich scheinen die Schüler großes Interesse zu zeigen an den Beichten, die knapp alle zwei Tage hochgeladen werden, auch wenn sich noch nicht so viele Leute trauen, sie auch zu liken. Aber ist das Interesse dann wirklich so groß, wenn nur so „spärlich“ gepostet wird? Bekommt der Admin überhaupt viele Einreichungen? „Ja. Jedoch viele unnötige, die niemanden interessieren.“ Verstehe. Ob ihr schon eine Beichte zugegangen sei, die sie richtig schockiert habe, fragte ich weiter.

„Nein, eigentlich nicht, aber ich habe die Seite auch noch nicht lange.“ Die Seite gibt es aktiv tatsächlich erst knapp drei Wochen, die erste Beichte wurde am 11.3. gepostet. Wurde mit so einem Andrang gerechnet? „Nein, niemals. Ich bin so überwältigt. :O“ Doch, habe ich mich gefragt, ist es nicht auch seltsam, zu wissen wer hinter den Beichten steht? Wenn ein Freund etwas beichtet? „Ich würde die Beichte trotzdem posten, ja. Jedoch würde ich diese Person (je nachdem, was sie geschrieben hat) mit etwas anderen Augen sehen, denke ich mal.“ Aber irgendwie ist es auch eine Ehre, oder? „Es kann mich ja ziemlich schlecht ehren, wenn sie gar nicht wissen, wer ich bin…wenn sie das wüssten und mir die Sachen anvertrauen würden, würde mich das ehren.“ Aber gerade diese Anonymität scheint die Person zu genießen. „Diese Seite kennen ja inzwischen ein paar mehr, aber dass ich das bin, weiß niemand. Ich bleibe auch weiterhin anonym.“ Trotzdem ist die Antwort auf die Frage klar, ob sie die Seite weiterführen will: „Zu 100%.“

Viele, vor allem Lehrer, fürchten jetzt, dass über sie gelästert wird. Doch der Admin vom „gam.beichtstuhl“ sagt ganz klar auf seiner Seite: Ab jetzt werden nur noch Beichten gepostet, die euch selbst betreffen.“ Dann ist ja gut.

(Ella Steffen, Eb)